Die fünfte Dimension – Alles was man in der virtuellen Welt verpasst

Lange Zeit konnte man die Welt recht einfach in vier Dimensionen einteilen. Da waren einmal die drei Richtungen die sich jeder vorstellen kann und die vierte Dimension die ziemlich krasse Figuren hervorrufen und nur schwer vorstellbar ist für die Meisten. Die fünfte Dimension besteht aus Vergangenheit, Zukunft und einer virtuellen Welt die wir uns selbst geschaffen haben. Während Menschen schon lange viel Zeit in der Vergangenheit oder der Zukunft verbracht haben, ist die virtuelle Welt noch sehr neu. Früher hat man sich schon auch den Kopf darüber zerbrochen wie sein Leben wohl verlaufen wäre, wenn dies und das gewesen wäre. Oder man machte sich Sorgen um die Zukunft, was wohl passieren wird wenn ich dieses oder jenes mache. Man kann es also umschreiben mit “hätte, hätte Fahrradkette” oder “was wäre wenn”.

Seitdem wir uns jedoch selbst eine virtuelle Realität erschaffen indem wir in sozialen Netzwerken aktiv sind und uns virtuell mit der halben Welt vernetzen kommt diese fünfte Dimension noch stärker zum tragen. Und die ist für uns deswegen nur schwer erkennbar weil sie nicht greifbar ist. Stell dir einmal alle sozialen Netzwerke dieser Welt vor. Facebook, Twitter, Snapchat, Instagram, Youtube, usw. und überlege einmal was dort in jeder einzelnen Sekunde passiert. Niemand, auch nicht der schnellste Supercomputer kann zu jederzeit wissen was in allen Medien von sich geht. Und wir als Menschen können das erst recht nicht. Genau genommen können wir nicht einmal wissen was zu der Zeit wo wir danach suchen in allen unseren Netzwerken abläuft.

Soll heißen: Niemand hat die Möglichkeit dazu wirklich nichts (!) zu verpassen. Die Angst etwas zu verpassen nennt man übrigens FOMO (fear of missing out) was im Grunde nur auf diese fünfte Dimension zurück zu führen ist die wir uns auferlegen. Wir melden uns in zwei, drei Netzwerken an, verbinden uns mit Freunden oder welchen die sich so nennen, wir folgen Leuten die wir für interessant halten, usw. FOMO entsteht dann wenn wir denken in diesen eigenen Netzwerken etwas zu verpassen und dieses Gefühl wird dann erzeugt wenn wir gerade offline sind. Wenn wir online sind haben wir zumindest das Gefühl nichts zu verpassen, schließlich werden wir sofort informiert wenn es etwas Neues gibt und können nachsehen. Wir denken also die volle Kontrolle zu haben.

Aber jede Sekunde in der wir nicht online sein können entsteht FOMO – bei den einen mehr, bei den anderen weniger. Es kommt ganz darauf an was man als für sich relevant und wichtig definiert. Jemand der 1000 “Freunde” bei Facebook hat und meint er muss unbedingt auf dem neusten Stand sein was diese so machen, welche Inhalte sie teilen, etc. wird ohne Zweifel schnell FOMO verspüren wenn er gerade nicht online ist. Einen Tag offline? So gut wie unmöglich.

Jemand der in keinen Netzwerken aktiv ist und nur via WhatsApp mit Freunde und Familie kommuniziert und dem relativ egal ist ob sie gerade Skifahren sind oder ins Kino gehen wird kaum FOMO verspüren. Länger offline zu bleiben ist dann kein Problem.

Diese FOMO ist es auch die eine fünfte Dimension so gefährlich macht weil wir unser Leben dann nicht mehr mit nur vier Dimensionen beschreiben können sondern eine fünfte brauchen. Diese besteht vor allem aus der Ungewissheit über Neuigkeiten und dem Gefühl etwas zu verpassen, eben FOMO. Stell dir einmal vor du gehst mit deinem Kind in den Zoo. Darauf hat es sich seit einer Woche gefreut und genießt dabei jeden Augenblick. Dein Kind hat sich noch keine fünfte Dimension auferlegt. Es wird sicher nicht daran denken ob sein Freund gerade seinen Status geupdated hat oder wer was gerade bei Twitter postet. Du als Elternteil hingegen wirst da wenig Verständnis dafür zeigen und statt wie dein Kind nur im Augenblick zu sein wirst du zumindest einen Teil deiner Aufmerksamkeit auf die fünfte Dimension richten. Womöglich kramst du sogar dein Smartphone heraus während dein Kind Ziegen streichelt und aufblüht.

Warum ist die Aufmerksamkeitsspanne eines Menschen mittlerweile genauso kurz wie die eines Goldfisches? Der Goldfisch hat nicht aufgeholt, aber wir sind nicht mehr in der Lage unsere ganze Aufmerksamkeit nur auf eine Sache zu richten. Die fünfte Dimension spielt hier eine wichtige Rolle.