Bringt der “nicht stören” Modus etwas gegen Handysucht?

“Nicht stören” ist eine sinnvolle Funktion die mittlerweile auch in jedem iOS zu finden ist und die es ermöglicht zu definieren wann das Handy klingelt und bei wem. Du kannst etwa einstellen dass du von 7 bis 20 Uhr deine Ruhe haben willst und nur deine Favoriten dich telefonisch erreichen können. Also wenn Mama anruft weil es etwas Wichtiges gibt, nicht wenn sie dir das neuste Katzenvideo über WhatsApp schickt… Ein solches Video würde dein Handy kalt lassen, du siehst die Nachricht nur wenn du den Bildschirm öffnest. Weder leuchtet das Display, noch vibriert es und es erscheint schon gar kein Ton.

Hört sich gut an oder? Wie kann das bitteschön nicht sinnvoll sein wenn man Handy süchtig ist oder sagen wir mal: “nur noch schwer ohne auskommt”.

Dazu muss man eines verstehen: Immer wenn sich das Handy meldet wird im Gehirn Dopamin ausgeschüttet. Das fühlt sich erst einmal gut an. Dieses Hormon wird auch ausgeschüttet wenn wir ausgiebig gegessen oder Sex haben. Allerdings ist es sehr sensibel. Wenn wir es auf andere Wege ausschütten, wie etwa durch Handynutzung kann es schnell zu viel werden. Wir möchten dann immer mehr davon und brauchen auch immer mehr um die gleiche Wirkung zu erzielen. Merkst du also dass sich dein Handy meldet, sei es durch einen Ton, Vibration oder einfach nur dass der Bildschirm leuchtet wird automatisch Dopamin ausgeschüttet.

Mit nicht stören hast du das jedoch nicht. Die Frage ist ob dann wirklich weniger Dopamin ausgeschüttet wird. Grundsätzlich muss das eigentlich so sein schließlich bekommt man gar nicht mehr mit wenn sich was tut. Es ertönt kein Ton und der Bildschirm leuchtet auch nicht.

Das Problem ist die Ungewissheit. Denn nur weil du nicht stören aktivierst heißt es nicht, dass nichts passiert und du gar keine Nachrichten/Meldungen mehr bekommst. Du siehst sie nur nicht bzw. erst wenn du gezielt drauf schaust. Das Ergebnis ist dass Unsicherheit herrscht. Entweder hast du eine Meldung oder nicht, du wirst es aber erst erfahren wenn du drauf schaust. Das ist ein gefährlicher Zustand weil er ebenfalls Dopamin ausschüttet. Das ist ungefähr so als würdest du ein Los öffnen das entweder eine Niete ist oder dir 100€ einbringt. Kurz bevor du es aufmachst wirst du auch Aufregung verspüren was im Endeffekt wieder nur Dopamin ist. Mehr dazu findest du in diesem Artikel.

Wenn du jetzt z.B. in der Bibliothek sitzt und lernen sollst, hast dein Handy neben dir liegen und meinst wegen “nicht stören” ist es so als ob du gar kein Handy hättest, irrst du gewaltig. Es gibt natürlich noch keine Untersuchungen was “schlimmer” ist, also ein Handy das neben dir im nicht stören Modus “schlummert” oder eines das tatsächlich jederzeit aufleuchtet.

Beides ist aber definitiv nicht ideal und so kann man sagen dass “nicht stören” alleine sicherlich keine Lösung ist. Was anderes ist wenn das Handy sowieso außer Reichweite ist, wenn du also im Büro arbeitest und es in deiner Schublade versteckst oder in einem anderen Zimmer hast. Aber dafür brauchst du kaum einen nicht stören Modus.

Meine Empfehlung ist daher folgende:

Halte das Handy grundsätzlich außer Reichweite so dass es nicht in deinem Blickfeld oder griffbereit ist. Aktiviere den nicht stören Modus damit du es nicht nebenan vibrieren hörst z.B. Lasse in diesem Modus nur die wirklich wichtigen Anrufer durch, also diejenigen die dich in einem Notfall kontaktieren würden. Der Rest bleibt weg. Definiere am besten im Vorfeld klare Zeiten für Handynutzung, also meinetwegen wenn du gerade Pause vom Lernen oder Arbeiten machst. Dann kannst du drauf schauen. Definierst du diese Phasen nicht kann es gut sein dass du ständig mal unbewusst drauf schaust – auch oder besonders im nicht stören Modus. Dann erfüllt dieser Modus auch nicht seinen Zweck. Also wenn du dein Handy zwar nicht störend in der Hosentasche hast aber alle zwei Minuten drauf schaust ob es was Neues gibt. Das ist genau das Suchtverhalten das du unterbinden musst und dafür wird diese Funktion alleine nicht ausreichend sein. Kannst du dich darin wieder erkennen solltest du dich weiter hier auf süchtig.net umsehen.