Ab wann bin ich Handysüchtig?

Es ist noch nicht so lange her als Generationen noch ganz ohne jedes Handy aufgewachsen sind und wenn hatten sie so etwas wie ein Nokia 3210 mit dem man nur telefonieren, für 40 Pfennig SMS verschicken oder Snake spielen konnte. Seitdem hat sich viel getan und als heutiger Jugendlicher kennt man solche Geräte nur noch aus Museen. Aber unabhängig davon welches Smartphone du mittlerweile hast, die Problematik damit ist immer die gleiche:

Du bist damit immer und jederzeit erreichbar und das auf einfachste Art und Weise.

Früher musste jemand für einen gewissen Geldbetrag bereit sein eine SMS zu schicken oder anzurufen. Heute lädt man sich eine App herunter die Push Nachrichten schickt, verbindet sich in sozialen Netzwerken und wird benachrichtigt wenn man wichtig war oder man wird aufgefordert XY zu spielen um ein neues Level freizuschalten. Es ist eigentlich egal worum es genau geht, ob du mehr auf WhatsApp, Facebook, Nachrichten-Apps, Spiele, oder was auch immer setzt – in deinem Gehirn laufen immer die gleichen Prozesse ab.

Wenn du ein Signal hörst, auf dein Smartphone schaust und siehst, dass dir jemand eine Nachricht geschrieben hat wird in deinem Gehirn Dopamin ausgeschüttet. Das ist ein Hormon das dich erst einmal “glücklich” macht. Das hält zwar nicht lange an aber du fühlst dich damit erst einmal befriedigt. Es gibt also keinen Anreiz das irgendwie abzuschalten, schließlich will sich jeder gut fühlen. Und wenn du mehr solcher Nachrichten bekommst wird ständig Dopamin ausgeschüttet. Fühlst du dich mal schlecht schickst du womöglich allen möglichen Leuten eine Nachricht nur um etwas zurück zu bekommen. “Fishing for dopamine” sozusagen…

Das kannst du schon eine Weile so machen. Das Problem ist aber dass der “Grenznutzen” von Dopamin abnimmt. Soll heißen: Du brauchst immer mehr um den gleichen Effekt zu erzielen weil deine Rezeptoren im Gehirn zunehmen. Dein Gehirn verlangt also nach immer mehr Dopamin und gibt keine Ruhe bis es das bekommt.

Das ist deswegen problematisch weil genau das eine Sucht auslösen kann. Wie ein Alkoholiker der immer mehr Bier braucht, oder ein Kaffeejunkie der immer mehr Tassen Kaffee trinkt, oder ein Spielsüchtiger der immer mehr spielen muss. Der Mechanismus im Gehirn ist im Grunde der Gleiche. Du bist also dann Handysüchtig oder süchtig nach deinem Smartphone/Smartwatch wenn das Verlangen nach Dopamin in deinem Gehirn so stark geworden ist dass du es ständig stillen musst.

Nimm jemandem der viel mit seinem Smartphone macht einfach mal das Handy weg für einen Tag und schau was passiert. Er wird die gleichen Entzugserscheinungen bekommen wie etwa ein Alkoholiker. Natürlich ist er dann bereits süchtig. Die Übergänge dazu sind jedoch fließend und werden vom Betroffenen kaum bemerkt.

Das Problem ist, dass Smartphones bereits integraler Bestandteil unseres Lebens geworden sind. Wir wachen damit auf weil wir damit den Wecker stellen und wir gehen damit abends wieder ins Bett. Unter normalen Umständen wirst du also nicht einfach auf Entzug sein – spätestens dann solltest du merken, dass etwas nicht stimmt. Also kann man sagen so lange du dein Smartphone und damit deine Dopamin-Quelle in der Tasche hast, wirst du nicht merken dass du süchtig bist. Das ist ungefähr so als würde ein Alkoholiker täglich mit 3 Promille ins Bett gehen weil er sich einen Bier Katheter gelegt hat. Ziehst du ihm den Stecker und er bekommt plötzlich nichts mehr wird es offensichtlich. So ähnlich ist es mit Smartphones. Du musst erst einmal den Stecker ziehen.

Nun muss der Smartphone Einsatz aber nicht gleich süchtig sein. Aber wenn du darauf achtest und wirklich ehrlich mit dir bist gibt es bei fast allen Smartphone Besitzern Anzeichen einer Sucht wie etwa:

  • Du kannst nicht warten oder still sitzen und der erste Griff geht zum Smartphone wenn du sonst nichts zu tun hast
  • Das erste was du machst ist zum Smartphone zu greifen. Etwa nachdem du aufstehst, Sport gemacht hast oder sonst gerade keine Möglichkeit hattest. Das erste was dir in den Sinn kommt ist zu schauen “was es Neues gibt”.
  • Liegt dein Smartphone irgendwo herum musst du automatisch schauen ob du wichtig warst. Du kannst nicht einfach daran vorbei gehen.
  • Das erste was du fühlst wenn ein Signalton, Vibration, oä ertönt ist Aufregung. Du nimmst es nicht gelassen hin sondern bist gespannt was es gibt.
  • Das Smartphone muss immer griffbereit sein auch wenn es die Situation nicht erfordert oder es sozial nicht erwünscht ist. Z.B. wenn du mit Leuten am Tisch sitzt.
  • Du hast Schwierigkeiten richtige Unterhaltungen zu führen und deinem Gegenüber in die Augen zu schauen.

All das sind Dinge die klar für eine Sucht sprechen und die du erst verifizieren kannst wenn du einmal versuchst dich deinem Smartphone zu entziehen.